Mittendrin: Fontane auch in Eichkamp

Mittendrin: Fontane auch in Eichkamp

Die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ waren geprägt durch die Vorliebe Fontanes für die “kleinen Dinge“. Das große Berlin und das große Potsdam waren dafür nicht geeignet, zumal die dazu erforderliche Quellenarbeit für ihn uferlos gewesen wäre. Somit kann davon ausgegangen werden, dass Fontane niemals im “Willmersdorffischen Eichelkamp“, geschweige denn in der Siedlung Eichkamp gewesen ist, da es die ja auch noch gar nicht gab.

Mit dem Fontane-Denkmal am Tiergarten, dem letzten großen Personendenkmal der Berliner Bildhauerschule, stellte Max Klein 1910 Theodor Fontane als Spaziergänger dar. Stock und Hut sollten an die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ erinnern. Max Klein führte das Fontane-Denkmal nach einer Spendenaktion 1908-1910 in weißem Carrara-Marmor aus. Doch die Berliner Luft setzt bekanntlich selbst hartem Marmor zu. Wegen vieler Rissbildungen und Verfärbungen der im Freien stehenden Statue wurde Fontane schließlich vom Sockel genommen und eingelagert. Er steht – nach einem Zwischenaufenthalt im Lapidarium in Kreuzberg – heute in der Großen Halle des Märkischen Museums.

Ein reichliches Jahr stand der Sockel im Halbrund der Linden an der Thomas-Dehler-Straße am Tiergarten ohne Fontane da. Dem Landeskonservator blieb deshalb nichts anderes übrig, als vom Original einen wetterfesten Abguss anfertigen zu lassen. Der verödete Sockel sollte wieder eine neue Statue bekommen, aber weder aus Marmor noch von einem Steinmetz gefertigt. Ende 1981 wurde das Kunstdenkmal durch eine Kopie ersetzt.

Fontane – das Original im Märkischen Museum

Eine Berliner Firma hatte die Herstellung einer Ersatz-Statue aus Zementmörtel angeboten, die täuschend echt aussehen und haltbarer als das Original sein sollte. Ob diese über Jahrzehnte Frost, jedem Wetter und allen Umwelteinflüssen widerstehen kann, wurde in der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) geprüft. Unter unterschiedlichen Belastungen wie UV-Strahlung, verschiedenen Temperaturen und Dehnungen wurde die zu erwartende Haltbarkeit an einem Fontane-Kopf-Duplikat aus Zementstein in Originalgröße geprüft. Dabei ergaben sich keine Hinweise dafür, dass das Material gegenüber auch nur einer der Beanspruchungen besonders empfindlich wäre.

Fontane – die Kopie im Eichkamp

Und was geschah nach allen Versuchsreihen? Fontanes Kopf dämmerte in den BAM-Kellern vor sich hin, bis ein Mitarbeiter sich erbarmte und ihn mit nach Hause nahm. Dort ziert er nun den Eichkamper Hausgarten, ist drehbar gelagert und erfreut damit Kinder, Enkel und auch manchen Besucher. Somit ist Theodor Fontane nun endlich auch in Eichkamp angekommen.

Bilder und Text von
Günter Mellmann

(Dieser Text erschien auch gedruckt in unserem Mitteilungsblatt „infoeichkamp“ vom Juni 2019)

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